Trumps Statement in der TV-Debatte mit Joe Biden: Stachelt er Rechtsextremisten an?
Datum: 29.09.2020, Ort: Cleveland, USA, Ortszeit: 9:00 Uhr
An diesem Morgen findet die planmäßig erste Wahlkampfdebatte zwischen dem amtierenden Präsidenten Donald Trump und seinem Herausforderer Joe Biden statt, der während der Amtszeit Barack Obamas bereits der Vizepräsident der USA war. Das Aufeinandertreffen wird später von Journalistinnen und Journalisten „die schlimmste Präsidentendebatte aller Zeiten“ genannt werden.
„Stand back, stand by“
Worauf ich nun näher eingehen möchte, ist eine explizite Aussage Trumps während der TV-Debatte: „Proud Boys, tretet zurück und haltet euch bereit! Ich sage euch etwas: Irgendjemand muss etwas gegen die Antifa und die Linken unternehmen."
Mit dieser Äußerung heizte er die Stimmung in der als rechtsextrem bekannten Gruppierung weiter an. Ihre Anhänger verstehen Trumps Worte als “Marschbefehl” und kreieren aus ihnen in kürzester Zeit ein neues Logo: „Stand back, stand by.“
Wer sind die „Proud Boys“?
Schauen wir uns die “Proud Boys” mal genauer an. Gegründet wurde die Gruppe im Jahr 2016, in dem Trump zum Präsidenten gewählt wurde. Seitdem bemühen sie sich um die Nähe zu Trumps Kreisen. Wie bereits erwähnt, gilt die vielschichtige Gruppierung, die ausschließlich aus Männern besteht, als rechtsextrem und wird auch als „Neonazi‑Schlägertruppe” bezeichnet. Die „Proud Boys“ wollen eine neue westliche Männlichkeit verkörpern und behaupten von sich selbst, keine “White Supremacists” zu sein. Offiziell distanzieren sie sich von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Allerdings baut ihre Ideologie auch auf der Verschwörungstheorie des angeblich drohenden „Weißen Genozids“ auf, die keine Sympathien gegenüber divergierenden Gruppen hegt. So bezeichnet die Anti-Defamation League (ADL) die Gruppe als „frauenfeindlich, islamfeindlich, transfeindlich und antisemitisch“. Das Auftreten der Anhänger ist verbal aggressiv und nicht selten physisch gewaltsam, was auch an den Aufrufen zur Gewalt ihrer Anführer liegt. So wurden die Bruderschaft 2019 auf Facebook und Instagram wegen ihrer Hassbotschaften gesperrt. Auf ihren Versammlungen, bei denen man hauptsächlich bewaffnete, bullige Männer zwischen 20 und 40 Jahren sieht, stachelt man sich gegenseitig zu feindseligen und rechtswidrigen Taten an. So kam es in letzter Zeit, beispielsweise in Portland, zu Vandalismus und zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den „Proud Boys“, linken Aktivisten und der Polizei.
Das Attentat in Charlottesville
Trump hofierte die Gruppe der „Proud Boys“ bereits im Jahr 2017. Bei rechtsextremen Demonstrationen in Charlottesville unter dem Motto „Unite the Right“ fuhr ein mutmaßlicher „Proud Boy“ mit seinem Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten. Eine Person wurde getötet, 19 weitere verletzt. Donald Trump relativierte den Anschlag daraufhin und sprach von „sehr anständige Leuten“ in den Reihen der rassistischen „Unite the Right“-Demonstranten.
Aufmerksamkeit und Bestärkung
Durch seine Aussagen bestärkt Trump das Gewaltpotential derartiger Gruppierungen. Das macht seine Worte so gefährlich. Zusätzlich bekamen die „Proud Boys“ große Aufmerksamkeit, da die Präsidentendebatte in den USA sehr populär ist. Die New York Times berichtete später auch, dass eine große Anzahl neuer Rekruten gemeldet wurde. Darüber hinaus ist auch das Logo “Stand back, stand by” ein Zeichen für das Gefühl von Bestärkung in der Bruderschaft durch die Aussagen Donald Trumps.
Trump und der KKK
Trump selber hat es lange vermieden sich von Gruppen wie den “Proud Boys” zu distanzieren. Erst im September wirbt er mit dem Verbot des ebenfalls rassistischen, gewalttätigen und rechtsextremen „Ku-Klux-Klans” (KKK), welcher auch rassistisch, gewalttätig und rechtsextrem ist, um schwarze Wähler zu gewinnen. Dabei hat der KKK in der Wahl 2016 für Trump geworben und seine Ernennung zum Präsidenten gefeiert.
Rechtsextreme Gruppierungen fühlen sich also schon seit dem Beginn der Amtszeit Donald Trumps durch seine Äußerungen bestärkt. Auch die TV-Debatte am 29. September hat ihren Teil dazu beigetragen. Im republikanischen Lager wurde versucht die Aussage Trumps herunterzuspielen und auch Präsidentenberater Jason Miller sowie Trumps Sohn Donald Trump Jr. äußerten sich beschwichtigend. Trump selbst gab zwei Tage nach der TV-Debatte sogar zu Protokoll die “Proud Boys“ gar nicht zu kennen.
Welchen Teilen seiner widersprüchlichen Aussagen kann man nun noch glauben?







