| von Seraphina Rütjerodt (Jahrgangsstufe 11)
Elftklässlerinnen und Elftklässler erleben Literatur im Fuldaer Stadtschloss
Was machen Schülerinnen und Schüler an einem Mittwochabend um 19 Uhr? Gängige Vorurteile wären sinnloses Scrolling durch Tiktok oder Hausaufgaben mit der KI faken. Wir, neun Schülerinnen und Schüler der Klasse 11c, hatten jedoch andere Pläne. Gemeinsam mit unserem Klassen- und Deutschlehrer haben wir eine Lesung im Stadtschloss im Rahmend der Reihe „Literatur im Stadtschloss“ besucht.
Schon beim Betreten des Raumes fiel uns das Publikum auf. Vertreten waren hier vor allem die älteren Generationen und man sah nur wenige junge Menschen. Was auf andere vielleicht abschreckend gewirkt hätte, stellte für uns einen besonderen Moment dar – unterschiedliche Generationen treffen aufeinander, verbunden durch das gemeinsame Interesse an Literatur. Das ist etwas, was man heutzutage nur selten so intensiv wahrnimmt, was auch einer der Schüler der Klasse bestätigte, der „es schön [fand], dass durch diese Veranstaltung Alt und Jung erstmals [zusammenkommen], um die Generationen durch die Literatur ineinander zu verflechten“. Und gerade weil wir mal nicht im Klassenraum, hitner Reclam-Heften saßen, sondern uns außerhalb des Unterrichts treffen konnten, wurde so deutlich, dass Literatur nicht nur dazu dient, analysiert, sondern gelesen und gefühlt zu werden.
Ein solches Aufeinandertreffen von Generationen bildet auch den thematischen Mittelpunkt des Romans „Das gute Leben“, aus dem die Autorin Nadine Schneider am dem Abend gelesen hat. Er handelt von einer Mutter-Tochter-Geschichte, die sich über mehrere Generationen hinweg erstreckt. Besonders eindrücklich ist die Figur der Großmutter Anni, die als Teil der deutschen Minderheit in Rumänien auf unwegsame Weise nach Deutschland kommt und sich dort ein Leben aufbaut. Eine Schülerin „fand die Geschichte sehr interessant, weil man die Eindrücke von drei Generationen bekommt, […] die alle in unterschiedlichen Verhältnissen aufgewachsen sind“. Nach der Lesung konnten wir Parallelen zu anderen Werken erkennen, die wir bereits im Unterricht gelesen haben. Besonders die Themen Herkunft, Neuanfang und das Leben zwischen verschiedenen Welten erinnerten uns an den Roman „Herkunft“ von Saša Stanišić, den wir zu Beginn des Schuljahres gelesen haben. Dadurch wirkte vieles vertraut und es war spannend zu sehen, wie unterschiedlich ähnliche Themen literarisch verarbeitet werden können.
Ein weiterer Unterschied zum Deutschunterricht war auch, dass hier die Autorin selbst über ihr Werk sprechen und einzelne Gedankengänge präziseren und verschiedene Aspekte erläutern konnte. Eine weitere Schülerin sagte hierzu: „Mir hat die Lesung gut gefallen, insbesondere auch mit den freien Erklärungen der Autorin. […] Man konnte einen sehr guten und tiefen Einblick in das damalige Rumänien bekommen, vor allem, als es um die Flucht aus der eigenen Heimat Annis ging.“ Ungewohnt war es jedoch, dass wir im Gegensatz zum Unterricht ausschließlich zuhören durften, sind wir es doch eigentlich gewohnt, uns über literarische Werke auszutauschen. Dafür war dann aber zum Glück im Anschluss bei Snacks und Getränken noch etwas Zeit.
Insgesamt bleibt uns die Lesung als positive Erfahrung im Gedächtnis. Es war etwas anderes, Literatur abseits vom eigenen Klassenzimmer nicht nur zu analysieren, sondern sie direkt zu erleben. Auch wenn nicht jede der ausgewählten Passagen des Romans gleich interessant war und auch wenn nicht jeder von uns im Anschluss Lust hatte, den Roman zu lesen, hat der Abend gezeigt, dass Literatur weiterhin relevant ist und Menschen verbindet. Genau dieses gemeinsame Erleben machte die Veranstaltungen zu einer besonderen für uns.






