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| von Nora Nolte

Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben (Fontane)

Als wir kurz vor 7Uhr an einem Samstagmorgen im April den ICE in Richtung München bestiegen, lernten wir zunächst einmal, was wir nicht hatten: Wagen 7 – jenen Wagen, in dem sich unsere reservierten Sitzplätze hätten befinden sollen. Entschädigt wurden wir jedoch durch den Humor des DB-Angestellten, der kurz vor Nürnberg verkündete: „Die planmäßige Ankunft vor fünf Minuten werden wir voraussichtlich nicht mehr schaffen.“ Und kurz vorm Ziel: „Wir erreichen den Hauptbahnhof München eine Minute vor der planmäßigen Ankunftszeit. Auch für diese Unpünktlichkeit möchten wir natürlich um Entschuldigung bitten.“

Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat haben (Fontane)

Trotz eines ungeplanten einstündigen Aufenthalts am Bahnhof in Padua – Dank einer in Italien aufgebauten Verspätung in einem Zug der ÖBB, der jedoch (pünktlich!) in Deutschland gestartet war („Da können wir leider nichts machen.“ – Bye bye, Fahrgastrechte.) – erreichte unsere kleine Gruppe aus sieben Mädchen und drei Jungen, die zusammen mit Frau Hoos und Frau Nolte den Weg ins idyllische Po-Delta angetreten hatte, unser Ziel nach italienischem Verständnis noch pünktlich, wo wir in der Nähe der Schule von den italienischen Gastfamilien sehr herzlich und mit selbst gemalten Schildern empfangen wurden.

Den ersten gemeinsamen Tag verbrachten die Schülerinnen und Schüler mit ihren Familien auf Zeit, die diesen individuell gestalten konnten, z.B. bei Ausflügen ans Meer oder ins nah gelegene Ravenna.

Am Montag lernte die Gruppe unsere Partnerschule kennen, als die Gäste nach einer kurzen Begrüßung und Schulführung durch das eingeschossige Gebäude aus den 1960ern jeweils mit ihren Gastgeschwistern deren Unterricht besuchten. Die Unterschiede in Ausstattung und Schulalltag wurden schnell deutlich. Insbesondere die Vermittlung von Unterrichtsinhalten – speziell in den Fremdsprachen – variiert enorm. Nach Schulschluss fuhren wir dann mit dem Bus ins benachbarte Comacchio, wo wir nach einem Picknick mit herrlichem Blick auf die beeindruckende Lagunenlandschaft bei einer zweistündigen Bootsfahrt mehrere Kolonien der dort ansässigen Flamingos und Mosquitos erleben konnten. Am Abend traf sich die ganze Gruppe, einschließlich der Gasteltern, in Comacchios ehrwürdiger Fischräucherei zu einem stimmungsvollen Willkommensabend, zu dessen Abschluss uns der Besitzer noch durch das beeindruckende angrenzende Museum führte.

Das Highlight unseres Besuches stellte am Mittwoch unser Tagesausflug ins 100km entfernte Venedig dar, wo wir unter der fachkundigen Führung eines einheimischen Kunsthistorikers durch die engen Gassen eilten und unzählige Brücken, singende Gondolieri und andere malerische Sehenswürdigkeiten fotografisch festzuhalten versuchten. Nach dem Blick über die Dächer Venedigs vom Kuppelraum des Palazzo Contarini del Bovolo staunten wir über die kunstvollen Mosaike im Markusdom und ließen diesen wunderschönen Tag abschließend mit einem Eis aus der besten Manufattura der Stadt ausklingen.

Nach weiteren Hospitationen und ein wenig Italienischunterricht für unsere Schülerinnen und Schüler am Donnerstagvormittag wurden wir anschließend von Codigoros Bürgermeisterin im Rathaus mit allen Ehren empfangen. Dieser Termin, bei dem die große Bedeutung der deutsch-italienischen Beziehung im Lichte aktueller Entwicklungen im Vordergrund stand, schaffte es sogar in die lokale Presse. Den Nachmittag verbrachte ein Teil der Gruppe mit Frau Hoos und Frau Nolte. Ausgestattet mit Gelato und Biscotti für ein Picknick ging es zur geschichtsträchtigen Abtei di Pomposa, deren Abt Guido Monaco di Pomposa nicht nur unserer Partnerschule ihren Namen verdankt, sondern auf den auch die Musiknotation zurückgeht.

Am Freitag unterstützen die deutschen Austauschler noch einmal den Deutschunterricht als Konversationsexperten und vertieften anschließend in einer eigens für sie organisierten Italienischstunde ihre rhetorischen Fähigkeiten. In der abschließenden zweistündigen Gesprächsrunde mit Frau Hoos und Frau Nolte wurden die Schulsysteme kontrastiert und Erlebnisse reflektiert. Fazit: Vielleicht ist Vieles von dem, was wir in Deutschland machen, gar nicht so schlecht. Und: Wir haben die tollsten Schülerinnen und Schüler! – Aber das wussten wir schon vorher.

Den „feierlichen“ Abschluss unseres Austausches bildete die Strandparty am Abend bevor es am Samstag hieß: Arrivederci! A presto!

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