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| von Dr. Peter Mergler

Zwischen Vesuv und Venus: Wie ein Lateinprojekt zum Filmabenteuer wurde

Wie lässt sich Lateinunterricht kreativ, aktuell und lebensnah gestalten? Acht Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 9 haben diese Frage im Rahmen der Latein AG „Latein lebendig in Szene setzen“ eindrucksvoll beantwortet und einen eigenen Kurzfilm für den Bundeswettbewerb der Fremdsprachen realisiert.

Zwischen Vesuv und Venus:  Wie ein Lateinprojekt zum Filmabenteuer wurde

Die Themenwahl knüpfte unmittelbar an den laufenden Unterricht an, in dem der Vulkanausbruch des Vesuvs und der Untergang Pompejis behandelt wurden. Die Schülerinnen und Schüler entschieden sich bewusst dafür, dieses vertraute Unterrichtsthema aufzugreifen und in einer kreativen Form weiterzuentwickeln. Ausgehend von der antiken Vorstellung göttlichen Handelns entstand die Idee, den Vulkanausbruch nicht nur als Naturkatastrophe, sondern als Ausdruck göttlicher Zwietracht darzustellen. Dem wurde das menschliche Verhalten in einer Extremsituation gegenübergestellt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, was Menschen in Zeiten von Chaos, Angst und Bedrohung trägt.

So entwickelte sich das zentrale Thema des Films Fuga in mediā discordiā deōrum et hūmānitāte perennī: Zeitlose Mitmenschlichkeit erweist sich als stärker als Zerstörung, Gewalt und jede Form von Bedrohung und verbindet Menschen über Zeitgrenzen hinweg.

Inhaltlich beginnt der Film in der Gegenwart. Der Schüler Jakob schaut als Hausaufgabe widerwillig einen lateinischen Film über den Untergang Pompejis. Innerhalb der Filmhandlung geraten die Götter Vulcanus und Venus in Streit. Aus Eifersucht zerstört Vulcanus die Stadt, während Venus den fliehenden Menschen helfen will. Plötzlich durchbricht der Film die Grenze zwischen Fiktion und Realität: Eine pompejanische Flüchtlingsfamilie spricht Jakob direkt an und bittet ihn um Hilfe. Jakob überschreitet die Grenze zwischen Gegenwart und Antike und gelangt selbst nach Pompeji. Gemeinsam mit der Familie folgt er den Lichtzeichen der Venus und findet einen Fluchttunnel. Trotz Chaos, Gefahren und humorvoller Einlagen gelingt die Rettung durch gegenseitige Hilfe und Mitmenschlichkeit.

Zurück in der Gegenwart glaubt Jakobs Mutter ihm kein Wort. Jakob kommentiert dies mit einem Zitat Juvenals: Tugend wird zwar gelobt, aber dennoch nicht belohnt. Das Schlussbild eines überlebenden Bürgers von Pompeji unterstreicht noch einmal die zentrale Botschaft des Films: Zeitlose Mitmenschlichkeit überwindet alle Bedrohungen menschlicher Existenz.

Die Rollen im Film wurden klar verteilt: Falk Adolph übernahm die Rolle der energischen Mutter, Johann Dengler verkörperte den zornigen Vulcanus, Amadeus Footh spielte die flüchtende Mutter und Johan Gottwald die liebreizende Venus. Linus James war sowohl als gehorsamer Sohn als auch als sprechende Kanalratte zu sehen, Henry Konz spielte den mutigen Vater, Jakob Strube den heldenhaften Lateinschüler und Vincent Zenker den kämpferischen Bürger Pompejis.

Von Beginn an war das Projekt als echtes Teamvorhaben angelegt. Alle Beteiligten arbeiteten eng zusammen an der Entwicklung der Story und der lateinischen Übersetzungen, an der Kostümzusammenstellung, an der technischen Umsetzung während der Dreharbeiten sowie an der gegenseitigen Motivation und Unterstützung im gesamten Produktionsprozess. Besonders hervorzuheben ist dabei die kooperative Arbeitsweise: Schülerinnen und Schüler mit sehr guten Leistungen im Fach Latein unterstützten gezielt diejenigen, die bei der Übersetzungsarbeit Hilfe benötigten.

Die organisatorische und inhaltliche Vorbereitung erfolgte seit Beginn des ersten Schulhalbjahres 2025/2026 in regelmäßigen Organisations- und Arbeitstreffen, jeweils donnerstags um 13:00 Uhr im Rahmen der Latein AG „Latein lebendig in Szene setzen“, die von Dr. Peter Mergler geleitet wird. Der deutsche Text sowie die lateinische Übersetzung wurden ab Anfang November 2025 überwiegend kollaborativ als Hausaufgabe erarbeitet.

Die Dreharbeiten fanden an zwei ganztägigen Drehtagen statt. Der erste Drehtag wurde am Samstag, den 29. November 2025, im Kinderzimmer von Johann Dengler in Fulda durchgeführt. Am zweiten Drehtag, Montag, den 15. Dezember 2025, arbeitete das Team in der Bluescreen-Box des Filmstudios im „Medienbildungszentrums Süd“ (Offenbach). Dort standen professionelle Räumlichkeiten, Requisiten, Kameras, Mikrofone und weitere technische Ausstattung zur Verfügung. Der Feinschnitt des Films erfolgte während der Weihnachtsferien.

Das Projekt wurde durch freundliche Unterstützung maßgeblich ermöglicht: Daniel Edwards unterstützte das Team am ersten Drehtag technisch und stellte Filmequipment zur Verfügung. Am zweiten Drehtag begleitete Peter Mattes vom „Medienbildungszentrum Süd“ (Offenbach) die Videoaufnahmen fachkundig. Das „Medienbildungszentrum Süd“ stellte darüber hinaus das Filmstudio sowie umfangreiche technische Ausstattung bereit.

Die beteiligten Schülerinnen und Schüler zeigten während des gesamten Projekts eine außergewöhnlich hohe Motivation und investierten viel Zeit außerhalb des Regelunterrichts, auch an Wochenenden. Neben fachlichen Kompetenzen im Bereich der lateinischen Sprache konnten zahlreiche überfachliche Fähigkeiten wie Teamarbeit, Organisation, Kreativität, Medienkompetenz und Durchhaltevermögen nachhaltig erweitert werden.

Mit großer Spannung blickt das gesamte Team nun auf die Bewertung durch die Jury des Bundeswettbewerbs der Fremdsprachen in Hessen. Die bisherige Erfolgsbilanz der Latein AG „Latein lebendig in Szene setzen“, die in den vergangenen vier Jahren hessenweite drei erste Preise sowie einen zweiten Preis erringen konnte, macht dabei Hoffnung, ist vor allem aber Ansporn, weiterhin kreative und anspruchsvolle Wege im Lateinunterricht zu gehen.

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